Klassische Archäologie
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Weiteres Vorgehen ab 2017: Untersuchungen zur Stadtgeschichte von Meninx

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Auf Basis des bei der Prospektion 2015 gewonnenen Einblicks in die urbane Struktur von Meninx soll nun gezielt die Geschichte der weitläufigen Hafenmetropole in den Blick genommen werden. Zu diesem Zweck werden verschiedene, eng miteinander verzahnte archäologische Untersuchungen durchgeführt: 1. stratigraphische Grabungen, 2. geophysikalische Prospektionen und 3. unterwasserarchäologische Untersuchungen.

 

I  - Meninx15_+-4nT - Kopie

 1. Das Ziel der Grabungen besteht darin, in ausgewählten Arealen exemplarisch einen chronologisch möglichst umfassenden Einblick in alle Perioden der Stadtgeschichte zu gewinnen. Da der älteste Siedlungskern im Bereich um das Forum und in dem nordöstlich angrenzenden Gebiet zu lokalisieren ist, sollen die Grabungen in dem 2015 prospektierten Kernbereich der kaiserzeitlichen Stadt erfolgen. Die Grabungen verfolgen drei, auf die Hauptphasen der Stadtgeschichte bezogene Ziele mit jeweils anders gelagerter Fragestellung.

  • Zunächst zielen die stratigraphischen Untersuchungen darauf ab, an ausgewählten, im Magnetometerbild sichtbar gewordenen kaiserzeitlichen Bauten Fragen zu deren Binnenstruktur, Funktion, Baugeschichte und infrastrukturellen Vernetzung (Verkehrsanbindung, Wasserversorgung etc.) zu beantworten. Hierbei sollen die diversen Grabungsareale mit der übergeordneten Absicht aufeinander abgestimmt werden, Einblick in möglichst verschiedene Lebensräume zu gewinnen (Orte der Produktion und des Handels, des Kultes, des Wohnens).
  • Sodann geht darum, Einblick in die bislang nahezu unbekannte frühe Siedlungsgeschichte von Meninx zu bekommen, die mindestens bis in das 4. Jh. v. Chr. zurückreicht. Die Erkundung der früheren Siedlungsphasen soll helfen, eine Vorstellung von der Ausdehnung, Struktur und Entwicklung von Meninx in jenen Jahrhunderten zu bekommen, bevor der Bauboom des 2. und 3. Jhs. n. Chr., dem wahrscheinlich alle der im Magnetometerbild sichtbaren Monumentalbauten ihre Errichtung verdanken, das Erscheinungsbild der Stadt tiefgreifend veränderte.
  • Und schließlich sollen die Umstände erkundet werden, unter denen der Kernbereich der Stadt in der Spätantike allmählich aufgegeben wurde. Beim sukzessiven Vordringen in die Tiefe ist jeweils zunächst zu prüfen, wo und wie genau sich die in der Spätantike erfolgte, durch mächtige Abfallhaufen aus Schneckengehäusen indizierte Verlagerung der Purpurproduktion von den Randbereichen der Stadt in ihr vormaliges repräsentatives Zentrum fassen lässt (Größe, Struktur und Dichte von Purpur- und anderen Produktionsstätten).
Die Funde werden parallel zu den Grabungen bearbeitet und ausgewertet, um die Informationen zu den einzelnen Befundschichten zeitnah vor Ort nutzen zu können. Ziel ist es, durch die sorgfältige Dokumentation, Auswertung und mikro- wie überregionale Vernetzung der diversen Fundgattungen (Gefäßkeramik, Metall-, Glas- und andere Kleinfunde, Münzen, Tierknochen, pflanzliche Großreste) einen Einblick in das Alltagsleben der Stadt von punischer Zeit bis in die Spätantike (häusliche Lebensweisen, Produktionszweige, Handelsbeziehungen etc.) zu gewinnen.

II - 2017_Geophysik Kopie

2. Nach der ergebnisreichen geophysikalischen Prospektion des Kernbereiches der kaiserzeitlichen Stadt 2015 sollen die Magnetometer-Messungen weitergeführt werden. Die Absicht liegt darin, Auskunft über die Ausdehnung des städtischen Siedlungsraumes und seine Strukturierung bis in die Randbezirke zu bekommen.

  • Von Interesse ist dabei zunächst das Straßennetz. Zu fragen ist, wie sich das im Stadtzentrum erfasste Straßensystem mit den beiden küstenparallelen Hauptachsen nach Süden, Westen und Norden hin bis in die Randbereiche der Stadt fortsetzt.
  • Die Prospektion soll sodann Aufschluss über die bauliche Strukturierung der übrigen Stadtviertel und deren funktionale Prägung geben. Zu erwarten ist, dass sich aufgrund ihrer Größe und distinktiven Struktur diverse öffentliche Bauten lokalisieren und in ihrer Einbindung in das Stadtgefüge erfassen lassen (Heiligtümer und Tempel, größere Wirtschaftsbauten und vermutlich auch innerstädtische Thermen). Zugleich ist Auskunft über das Spektrum an Wohnformen, die Art und Größe von Handwerksbetrieben und somit über den Charakter der einzelnen Stadtviertel im kaiserzeitlichen Meninx zu erwarten.

 

III - 2017_Unterwasser

 3. In Ergänzung zur terrestrischen Prospektion sollen erstmals in Meninx unterwasserarchäologische Untersuchungen durchgeführt werden. Ziel ist es, die Baustrukturen zu erforschen, die unter dem seit der Antike angestiegenen Meeresspiegel liegen, und damit das zu Lande gewonnene Bild der kaiserzeitlichen Stadtanlage zu vervollständigen.

  • Zum einen ist zu klären, wie die antike, heute vom Meer überspielte Küstenzone bebaut war. Die bei der magnetometrischen Prospektion 2015 erkannten Großbauten an der heutigen Küste bieten erstmals die Möglichkeit, die isolierten, am Meeresboden sichtbaren Mauerzüge strukturell miteinander zu vernetzen.
  •  Zum anderen soll, basierend auf der Auswertung von Luftbildern, Aufschluss über die Hafenanlagen von Meninx gewonnen werden. In den antiken Schriftquellen ist für Meninx die Existenz eines Hafens bezeugt, doch über seine Lokalisierung besteht Unklarheit. Die bisherige These, der Hafen habe in der kleinen Bucht südlich von Meninx gelegen, verlangt eine Überprüfung, da hier die geringe Wassertiefe eine Annäherung zu Schiff kaum zugelassen haben kann. Von zentraler Bedeutung sind indes die tiefen Unterwasserkanäle, die das Flachmeer in der Bucht vor Meninx durchziehen und die mit größeren Schiffen befahrbar waren. Zu prüfen ist, ob an dem der Stadt am nächsten liegenden Kanal und anderen, in Betracht kommenden Stellen Spuren von Anlegestellen zu sichten sind.