Klassische Archäologie
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Das Meninx-Projekt: Entstehung und Ziele

Das Meninx-Projekt: Entstehung

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Auslöser für das Projekt war die enorme Kluft zwischen der Bedeutung der antiken Stadt und ihrer Erforschung: Meninx spielte als Metropole eine herausragende Rolle für die gesamte Küstenregion der Kleinen Syrte und war zudem durch den Purpur-Handel auch überregional weit vernetzt, doch sind ihre Größe, Binnenstruktur und Geschichte nur sehr ausschnitthaft bekannt. Dabei sind die Ausgangsbedingungen für archäologische Untersuchungen ausgesprochen günstig: Die ausgedehnten antiken Baustrukturen liegen in geringer Tiefe unter dem weithin flachen, leicht hügeligen Küstenboden versiegelt, ohne durch spätere Überbauungen oder andere tiefergehende Eingriffe gestört zu sein.
Um die Möglichkeiten eines Stadtforschungsprojektes in Meninx auszuloten, trafen sich Stefan Ritter und Sami Ben Tahar, der als Vertreter des Institut National du Patrimoine für die gesamte Insel zuständige Archäologe, im Herbst 2013 auf Djerba. Bald zeigte sich, dass auf beiden Seiten ein lebhaftes Interesse daran besteht, die Erforschung von Meninx im Rahmen eines Kooperationsprojektes voranzutreiben. Die beiden Initiatoren entwickelten alsbald ein gemeinsames Arbeitsprogramm und verfertigten einen Rahmenvertrag zwischen dem Institut für Klassische Archäologie der LMU und dem Institut National du Patrimoine, der dann im April 2015 unterzeichnet werden konnte. Erfreulicherweise konnte auch Dr. Ali Drine (INP, Tunis), der als Projektleiter maßgeblich für das tunesisch-amerikanische Djerba-Projekt 1996–2000 verantwortlich gewesen war, für die Mitwirkung gewonnen werden.

 Das Meninx-Projekt: Ziele

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Ziel des Projektes ist es, Aufschluss über die urbane Struktur von Meninx zu gewinnen und auf dieser Basis gezielt die Geschichte der Stadt zu erkunden. Das Arbeitsprogramm wurde dementsprechend zweistufig konzipiert.

  • Im ersten Schritt wurde im Kernbereich der kaiserzeitlichen Stadt eine großflächige Magnetometerprospektion durchgeführt, um ein zusammenhängendes Bild von der städtebaulichen Binnenorganisation zu gewinnen. Dieses Vorhaben wurde unter dem Projekttitel „Die urbane Struktur des antiken Meninx (Djerba)“ in einer zwölftägigen Prospektionskampagne im Oktober 2015 verwirklicht.
  • Auf dieser Arbeitsgrundlage untersuchen wir derzeit die Geschichte der Stadt. Zu diesem Zweck werden exemplarisch stratigraphische Grabungen durchgeführt. Um ein möglichst umfassendes Gesamtbild zu gewinnen, werden die Grabungen von weiteren archäologischen Untersuchungen flankiert. Zum einen wird die magnetometrische Prospektion weitergeführt, um die Randbereiche des kaiserzeitlichen Stadtraumes zu erkunden. Zum anderen werden, in Ergänzung zur terrestrischen Prospektion, erstmals unterwasserarchäologische Untersuchungen unternommen, um die vor der heutigen Küste unter dem Meeresspiegel liegenden Baustrukturen zu erforschen und dabei auch Aufschluss über die Hafenanlagen von Meninx zu gewinnen. Dieses Vorhaben trägt den Projekttitel „Archäologische Untersuchungen zur Stadtgeschichte von Meninx (Djerba)“ und wird in zwei Forschungskampagnen im Herbst 2017 und 2018 realisiert.

Im Ergebnis dieser konzertierten Untersuchungen soll herausgearbeitet werden, inwieweit sich die kulturgeographische und wirtschaftliche Sonderrolle, die Meninx in den verschiedenen Phasen seiner Geschichte spielte, im Erscheinungsbild der Stadt niederschlug. Das Projekt soll dazu beitragen, die topographische Kenntnislücke zwischen den tunesischen Küstenstädten und den tripolitanischen Metropolen Sabratha und Lepcis Magna zu schließen: durch ein besseres Verständnis der Bedeutung von Meninx, das über Jahrhunderte als Knotenpunkt zwischen dem mediterranen Seehandelsnetz und den auf dem gegenüberliegenden Festland in die Sahara führenden Handelsrouten fungierte.

Integraler Bestandteil des Projektes ist es, die Ergebnisse in angemessener Weise einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ziel ist es dabei, einerseits der Bevölkerung Djerbas ihre antike Vergangenheit als identitätsstiftendes kulturelles Erbe zu vergegenwärtigen und andererseits Touristen aus dem In- und Ausland an der Stelle der größten antiken Stadt auf Djerba die bedeutende Rolle dieser Insel in der Antike vor Augen zu führen.