Klassische Archäologie
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Die Prospektionskampagne 2015: Erste Ergebnisse

16 - homepage Meninx - G_Earth - nach_N - geneigt III - mit_Geophysik_u_GDM

Die Magnetometerprospektion erbrachte erstmals ein zusammenhängendes Bild von dem weitläufigen, sich an der Küste entlang erstreckenden Kernbereich der antiken Stadt.
Lediglich im Bereich um das Forum sind die Befunde durch eine stark magnetische Schuttschicht verunklart, dem einzigen Ort im Messgebiet, an dem bislang umfassende archäologische Eingriffe stattfanden. Ansonsten ist das Messbild nur wenig durch extreme Magnetfeld-Anomalien gestört, die auf eine intensive Feuerung hinweisen und wohl mit der Verlagerung von Produktionsbetrieben ins Stadtzentrum in der Spätantike zu verbinden sind. Diese Aktivitäten entfalteten sich offenkundig weitgehend in- und außerhalb der vorhandenen kaiserzeitlichen Bauten und ihrer Räume, da deren Grundrisse kaum substantiellere Veränderungen erkennen lassen.
Das Magnetogramm gewährt also einen flächendeckenden und detaillierten Einblick in die bauliche Struktur von Meninx in der späten Kaiserzeit. Die diversen Bauten zeichnen sich im Messbild allerdings mit unterschiedlicher Deutlichkeit ab. Dies hängt maßgeblich von den magnetischen Eigenschaften des Bodens sowie von den magnetischen Kontrasten der verwendeten Baumaterialien ab. In dem flachen Gelände vor allem an der Küste, aber auch landeinwärts treten die in geringer Tiefe liegenden Befunde mit großer Klarheit zutage, wogegen sie durch die dazwischenliegenden Schutthügel überdeckt und verunklart werden.

 17 - homepage Prospektion - Mnx15aa_6nT_40m_grid_scale_txt

Die Prospektion gab zunächst einen ersten großflächigen Aufschluss über das Straßennetz von Meninx. Das Untersuchungsgebiet wird von zwei langen, parallel zur Küste verlaufenden Straßen durchzogen. Dass die Hauptstraßen der Stadt küstenparallel verlaufen, war bereits früher vermutet worden, doch zeigte sich nun, dass der vom Forum bis zum Theater reichende Kernbereich der Stadt, nicht, wie bislang angenommen, nach einem streng orthogonalen Straßenraster organisiert war. Die beiden Hauptachsen verlaufen nicht gerade, sondern knicken mehrfach leicht ab, und die zur Küste führenden Querstraßen laufen (mit Ausnahme einer nordöstlich am Forum vorbeiziehenden Straße) nicht durch, sondern verspringen oder enden an einer der beiden Hauptstraßen.
Die der Küste nähere, auf einer Länge von ca. 460 m erfasste Hauptstraße zieht von Südwesten in das Untersuchungsgebiet, läuft dann, ohne das Forum selbst zu tangieren, hinter der Forumsbasilika vorbei und stößt im Nordosten direkt auf das Theater. Die zweite, zwischen 60 und 85 m weiter landeinwärts verlaufende und auf einer Länge von ca. 300 m erfasste Hauptstraße führt von Nordosten (ca. 50 m nordwestlich des Theaters) in das Prospektionsgebiet, verläuft dann hinunter zum Forum und mündet in dieses ein, so dass sie wohl als Cardo Maximus anzusehen ist.

In der Binnenstrukturierung des untersuchten Stadtareals lassen sich vier Bebauungsbereiche unterscheiden. Im Südwesten liegt das Forum mit seiner Randbebauung, und das übrige Gebiet wird durch die beiden Hauptstraßen in drei Zonen geschieden, die jeweils eine andersartige Bebauungsstruktur aufweisen.

 18 - homepage Meninx - G_Earth - nach_N - geneigt II - mit_Geophysik - und_Beschriftung

 Am Forum, an dem bislang lediglich die Lage der Basilica gesichert war, zeichnet sich im Magnetogramm nun auch die übrige Randbebauung ab. Dabei zeigt sich, dass der in seiner Ausrichtung an den Hauptstraßen orientierte Platz größer war als bislang angenommen: Der knapp 40 m breite Platz wird an seinen beiden Langseiten jeweils auf einer Länge von ca. 100 m von großen, in einer Flucht liegenden und durch Querstraßen voneinander getrennten Gebäuden (darunter die Basilica auf der Südostseite) eingefasst. Von diesen Bauten zeichnet sich auf der Nordwestseite des Forums, gegenüber der Basilika, besonders klar ein ca. 30 x 30 m großes Heiligtum ab, bestehend aus einem ummauerten Hofbezirk, gegen dessen Rückwand der Kultbau gesetzt ist. Im Südwesten des Forums trat ein weiterer, deutlich größerer und freistehender Tempel zutage, offenbar ein Podiumtempel, der allerdings nicht axial zum Forum hin ausgerichtet ist, sondern, mit der Frontseite nach Osten gedreht, den Platz auf dieser Seite trapezförmig abschließt; hierbei könnte es sich um das Capitolium handeln.
Die vom Meer bis zur südöstlichen Hauptstraße reichende Küstenzone wird im gesamten Untersuchungsbereich, also auf einer Länge von ca. 600 m, von großen, entlang der Küste aneinandergereihten Baukomplexen gesäumt, deren südöstliche Trakte unter dem seit der Antike deutlich angestiegenen Meeresspiegel liegen. Von diesen Bauten waren bislang nur das große Macellum im Südwesten und das Theater im Nordosten bekannt, und im Prospektionsbild zeigt sich nun, dass der gesamte Küstenstreifen dazwischen dicht mit weiteren Großbauten besetzt war. Unter diesen befinden sich offenbar mehrere Speicherbauten, von denen der eine Komplex baulich und funktional eng mit dem Macellum verbunden ist, da beide vom Forum her durch einen gemeinsamen Zugang erschlossen werden. Ca. 100 m nordöstlich des Macellums liegt ein von Portiken gesäumter Hofbezirk mit einem vor die Rückwand gesetzten Kernbau, also offenbar ein dem Meer zugewandter Tempelbezirk. Die weiter zum Theater hin gelegenen, bereits lange bekannten Zisternen lagen nicht isoliert, sondern waren, wie das Messbild und obertägige Beobachtungen zeigten, integraler Bestandteil eines sehr viel größeren Baukomplexes, dessen Funktion noch zu klären bleibt. Nimmt man noch die südwestlich außerhalb des Prospektionsgebietes liegenden, bereits ausgegrabenen Horrea hinzu, so wird deutlich, dass die Küstenzone über eine weite Strecke von großen Wirtschaftsbauten dominiert wurde, zu denen sich einzelne Kult- und Freizeitbauten gesellten.
Die landeinwärts angrenzende, zwischen den beiden Hauptstraßen liegende Zone weist eine erkennbar kleinteiligere und weniger regelhafte Bebauung auf. Die antiken Strukturen liegen hier weitgehend unter größeren Schutthügeln und treten daher im Magnetogramm weniger deutlich zum Vorschein. Erkennbar sind aber immerhin, von unregelmäßig verlaufenden Nebenstraßen eingefasst, einzelne Baukomplexe, in denen sich Konglomerate aus kleinen Räumen sowie mehrere quadratische Innenhöfe abzeichnen. Diese Zone war offenbar großenteils mit Wohnhäusern bebaut.
Die im Nordwesten, jenseits der zum Forum führenden Hauptstraße liegende Zone wurde bei der Prospektion, da am Rande des Untersuchungsgebietes liegend, nur teilweise erfasst. Hier gibt sich, so wie in der Küstenzone, wieder eine regelhaftere Bebauungsstruktur zu erkennen: mit größeren, auf der Straßenseite von lang durchlaufenden Begrenzungsmauern eingefasste Insulae, die jeweils durch zur Hauptstraße ziehende Stichstraßen voneinander getrennt sind. Während nach Südwesten hin Wohnbebauung zu dominieren scheint, kam in dem flachen Gelände im Nordosten in großer Klarheit wieder ein Tempel zutage: mit einem von Portiken gesäumten Hof, in dem, an die rückwärtige Hofmauer geschoben und somit zum Meer hin ausgerichtet, der Kultbau liegt.
Die detaillierte Auswertung des magnetometrischen Messbildes und die Visualisierung der Interpretationsergebnisse befinden sich derzeit in Arbeit.

Insgesamt deutet die in weiten Teilen unregelmäßige Stadtanlage darauf, dass der im Messbild greifbare spätkaiserzeitliche Baubestand das Resultat eines langfristigen Formierungsprozesses ist, in dessen Verlauf immer wieder neue Bauten und Baukomplexe errichtet wurden. Am markantesten wird die tiefgreifende Überformung älterer Baustrukturen im Bereich des Forums, das ab dem frühen 2. Jh. n. Chr. seine finale Gestalt erhielt, sowie in der Küstenzone mit ihren Großbauten deutlich. Einen vagen Datierungsanhaltspunkt für die Küstenbebauung bieten bislang lediglich die südwestlich des Prospektionsgebietes liegenden Horrea, die nach Ausweis stratigraphischer Untersuchungen im späten 2. oder frühen 3. Jh. n. Chr. über einer flavischen Vorgängerbebauung errichtet wurden. Sehr wahrscheinlich entstanden auch die Bauten zwischen dem Macellum und dem Theater überwiegend im Verlaufe des 2. und 3. Jhs. n. Chr., wobei die früheren Siedlungsschichten hier allerdings wohl, so es wie am Forum gesichert ist, zumindest teilweise in hellenistische Zeit zurückreichen.

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Thomas Morton, der im Rahmen des von 1996 bis 2000 durchgeführten tunesisch-amerikanischen Djerba-Projektes die Bauglieder am Forum untersuchte, zog aus seiner vergleichenden Analyse der prächtigen marmornen Architekturfragmente den Schluss, dass Meninx in der Kaiserzeit „one of the most prominent towns in Tripolitania and Africa Proconsularis“ war (Th. Morton in: A. Drine – E. Fentress – R. Holod (Hrsg.), An Island through Time: Jerba Studies 1. The Punic and Roman Periods, JRA Suppl. 71 [Portsmouth 2009] 135). Diese Einschätzung wird durch unsere Prospektionsergebnisse eindrucksvoll bestätigt. Die Stadtanlage von Meninx findet ihre engsten Parallelen in den tripolitanischen Küstenmetropolen Sabratha und Lepcis Magna, denen Meninx in seiner enormen, zum Meer hin orientierten Ausdehnung, in der variierenden Binnenstruktur der diversen Bebauungszonen und nicht zuletzt in der stattlichen Zahl an monumentalen öffentlichen Bauten ebenbürtig zur Seite tritt.