Klassische Archäologie
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Die Prospektionskampagne 2015: Arbeitsschritte

10 - homepage Meninx - G_Earth - nach_N - geneigt Ia - mit_Raster

Die Kampagne wurde vom 16.10. bis zum 28.10.2015 durchgeführt. Mit einer empfindlichen Magnetometerprospektion wurde ein ca. 600 m breiter und bis zu 200 m tiefer Küstenstreifen in einem engen Messpunktraster (25 x 25 cm) untersucht, der sich vom südwestlichen Randbereich des Forums bis zum Theaterviertel im Nordosten erstreckt.
Der Grund dafür, die Untersuchungen südwestlich des Forums, nördlich der ausgegrabenen Horrea zu beginnen, lag darin, dass das im Südwesten angrenzende Gelände bereits im Rahmen des tunesisch-amerikanischen Djerba-Projektes zwischen 1997 und 2000 intensiver erkundet worden war. Zudem hatte sich bei den damals unternommenen Sondagen gezeigt, dass dieses Gebiet offenbar erst in flavischer Zeit in größerem Umfang bebaut wurde, wohingegen sich im Forumsbereich klare Hinweise auf ältere Siedlungsstrukturen fanden. Da sich das Interesse des Projektes vor allem auf die frühe Stadtgeschichte von Meninx richtet, wurde entschieden, die Prospektion nördlich der Horrea zu beginnen.
Das Forum selbst war damals zwar bereits geophysikalisch untersucht worden, doch hatten die damals verwendeten Apparaturen (Fluxgate Gradiometer) eine geringere Empfindlichkeit und kamen nur in einem groben Messpunktraster von 0,5 x 1 m Punktabstand zum Einsatz. Zudem hatte man aus methodischen Gründen die steilen Schutthügel, unter denen die den Platz umgebenden Monumentalbauten liegen müssen, ausgespart. Um hier weiterzukommen, wurde beschlossen, den gesamten Forumsbereich nochmals weiträumig zu prospektieren und die Untersuchungen dann von hier aus nach Nordosten auszudehnen, um den weitläufigen, bis dahin gänzlich unbekannten Stadtbereich zum Theater hin zu erkunden.
Im Nordosten wurde das Untersuchungsgebiet bis an eine Ost-West-Linie unmittelbar nördlich des Theaters, das vollständig erfasst werden sollte, ausgedehnt. Im Nordwesten, also zum Binnenland hin, wurden die Untersuchungen, soweit es die Beschaffenheit des Geländes und der straffe Zeitplan erlaubten, so nah wie möglich an die heutige Küstenstraße herangeführt.

11 - homepage Vermessung - P1130310       12 - homepage P1130073

1. Topographische Vermessung:

Die topographische Vermessung wurde in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Geodäsie der TU München von Sebastian Graf und Julian Pimpi durchgeführt. Für die GPS-Messungen wurde das System Leica GPS500 verwendet, und zusätzlich wurde ein Tachymeter des Typs Leica TS02 eingesetzt.
Die beiden Geodäten erstellten ein lokales Festpunktfeld, welches aus zwei vorhandenen und drei neu vermarkten Festpunkten besteht. Dieses wurde sowohl tachymetrisch als auch mit Hilfe von GPS eingemessen. Über das vorgesehene Prospektionsareal wurde, ausgehend vom Festpunkt des Forumsbereichs, ein Nord-Süd ausgerichtetes Punktraster von 40 x 40 m gelegt und mittels Holzpflöcken im Gelände vermarkt. Darüber hinaus wurden ein digitales Geländemodell des Prospektionsareals erstellt sowie markante Oberflächenbefunde eingemessen. Das DGM wurde unmittelbar nach Ende der Kampagne fertiggestellt und vorgelegt. Über die GPS-Messungen der Festpunkte wurden alle Messungen vom lokalen System in das UTM-Koordinatensystem transformiert. Um alle Komponenten der Kampagne gemeinsam darzustellen, wurden die Magnetometermessungen, das DGM, die Rasterpunkte und die eingemessenen Objekte georeferenziert und in Google Earth visualisiert.

 13 - homepage Prospektion I - P113049414 - homepage Prospektion III - P1130178

2. Geophysikalische Prospektion:

Die Magnetometerprospektion erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU, Sektion Geophysik und wurde von Jörg Fassbinder und Lena Kühne geleistet. Zum Einsatz kam ein hochempfindliches Cäsium-Magnetometer des geophysikalischen Instituts.
Die Prospektion wurde durch die teilweise sehr steilen Schutthügel um das Forum und im Bereich des Theaters beträchtlich erschwert. Das Besteigen der Hügel mit dem handgetragenen Prospektionsgerät und ihr gleichmäßiges Ablaufen entlang der Messlinien erforderten erhebliche Anstrengungen. Ein weiteres Hindernis bildete das im gesamten Gelände verteilte, bis zu 2,50 m hohe Hartgestrüpp, das großenteils nur durch den Einsatz schweren Gerätes zu beseitigen war. Dass die Prospektion unter den erschwerten Umständen so gut bewältigt werden konnte, ist maßgeblich auch der engagierten Mitarbeit von Olfa Souissi, Marwan Ben Ibrahim und Riadh Ben Ibrahim zu verdanken. Im Ergebnis dieser Anstrengungen gelang es, das ausgedehnte Untersuchungsareal nahezu vollständig und in hoher räumlicher Auflösung zu prospektieren.

15 - homepage L1060815

3. Geländebegehungen und Exkursionen:

Zur Sichtung oberirdischer Strukturen unternahmen Sami Ben Tahar, Stefan Ritter und Dennis Beck ausgedehnte Geländebegehungen im Stadtgebiet und dessen weiterer Umgebung. Hierzu gesellten sich für einige Tage Mekki El Aoudi (Université de Sfax) und Johannes Lipps (Universität Tübingen), der bereit ist, die geplante Untersuchung der Architekturglieder aus Meninx zu übernehmen. Außerdem wurden die im Kastell Bordj el Kebir in Houmt Souk magazinierten Altfunde aus Meninx studiert. Eine weitere Erkundungsfahrt führte zu den Ruinen einiger kleiner Moscheen im näheren Umfeld von Meninx, in denen wiederverwendete antike Bauglieder anzutreffen sind, die ganz offenkundig von Bauten aus dieser Stadt stammen.